Westerwald: Wertschöpfung in der Region halten

Landrat Achim Schwickert präsentierte anlässlich der Veranstaltung „Wirtschaften mit Energie“ in Meudt Fakten und Zahlen der Windenergie im Westerwald. So seien bereits 93 Anlagen installiert, die insgesamt 94.000 Kilowattstunden erzeugen. Weitere 14 sind genehmigt. Doch auch andere Energieformen wie Biogas, Biomasse und Photovoltaik werden im Landkreis stärker ausgebaut.

Energiewende  nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht ein Großthema

Für Wilfried Noll von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ist die Energiewende ein Großthema, nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Auch die Landschaft werde durch die Anlagen von Veränderungen geprägt sein. So könnten bis zu 800 Windenergieanlagen auf den windhöffigen Wald konzentriert werden, erklärte Landrat Schwickert. Etwa 50 weitere große Windräder seien jedoch in nächster Zeit realistisch. Bernhard Brauner vom Neu-Isenburger Genossenschaftsverband erläuterte regionale Konzepte für erneuerbare Energien und Details zur Gründung und Praxis von Energiegenossenschaften in seinem Vortrag „Das gab es alles schon mal.“ Dabei griff Brauner den Grundsatz „Das Geld des Dorfes dem Dorfe!“ des Westerwälders Raiffeisens auf. Wie ein Beteiligungs- und Finanzierungsmodell für Kommunen und Bürger gefördert werden kann, erklärte Bernd Hermann von der Landesbank Baden-Württemberg mit einer Übersicht über die zahlreichen Unterstützungsprogramme.

Start vieler Projekte könne erst mit einer Förderung ermöglicht werden

Der Start vieler Projekte könne laut Hermann gar erst mit einer Förderung ermöglicht werden. „Wind machen viele; aber sich wirklich beteiligen, das ist was ganz anderes“, so Wolf-Rüdiger Stahl von der Mainzer DAL Structured FinanceGmbH. Es müsse genauestens und von Fall zu Fall geprüft werden, ob eine Gesellschaft oder Genossenschaft lohnenswert ist. Stahl sprach sich besonders für die Erhaltung der Wertschöpfung in der Region aus. „Wenn nicht jetzt, wann dann? Sonst haben Sie demnächst die Windkraftanlagen englischer Pensionsfonds auf Ihren Hügeln.“

Neuartiges Turbinensystem für bessere Energieausbeute

Laut Daten des bayerischen Windatlas gilt der Landkreis Rosenheim zur Windkraftnutzung als nahezu völlig untauglich. Lediglich zwei Prozent der Region seien nutzbar. Dennoch gibt es Alternativen, auch in der Energiegewinnung aus Wind selbst. So stellte die Geschäftsführerin des Bruckmühler Unternehmens „Elements into Energy” Manuela Krings ihr zukunftsweisendes Produkt bereits im bayerischen Landtag vor.

Honeywell Windturbine kommt mit geringeren Windgeschwindigkeiten aus

Die sogenannte Honeywell Windturbine kann im Gegensatz zu konventionellen Turbinen mit geringeren Windgeschwindigkeiten auskommen. So liegt die Anlaufgeschwindigkeit bei den 110 Kilogramm schweren und CE-zertifizierten Honeywell-Turbinen bei einem Meter pro Sekunde. Die herkömmlichen Anlagen benötigen hingegen mindestens 3,5 Meter pro Sekunde, um sich einzuschalten. Selbst bei Geschwindigkeiten von 17 Metern pro Sekunde könne die neuartige Turbine noch Energie liefern, da sie sich nicht abschalte. “Zirka 70 Prozent des Haushaltsenergiebedarfs können je nach Lage und Standort durch diese innovative Konstruktion gewonnen werden”, erklärte so Manuela Krings. Dies gelte auch für Gegenden mit vergleichsweise geringem Windaufkommen. Nach Angaben von Krings seien besonders die Regionen im Moor von Bruckbühl, der Chiemgau oder um Flintsbach gut geeignet für die Nutzung von Honeywell-Turbinen. „An diesen Standorten steckt noch mehr Potenzial als auf normalen Häusern.” Neben Ein- und Mehrfamilienhäusern sind je nach örtlichen Gegebenheiten auch Mobilfunkmasten oder Gewerbe- und Industriegebäude ideale Standorte zur Energiegewinnung. In Bruckmühl wurde bereits ein Prototyp der getriebelosen Anlage installiert, die nahezu geräuschlos arbeitet. In einer Entfernung von 3,1 Metern liegt die Geräuschentwicklung unter 35 Dezibel. Auch sorge die enge Anordnung der Rotorblätter dafür, dass Fledermäuse und Vögel sie wie eine undurchdringliche Wand umfliegen.

Industrie- und Klimaanlagen Abluft findet sinnvolle Verwendung

Die Turbine kann zudem nicht nur vertikal, sondern auch horizontal betrieben werden, nämlich durch die Nutzung abströmender Luft. Da viele Industrie- und Klimaanlagen Abluft produzieren, die üblicherweise ungenutzt bleibt, bietet sich somit eine sinnvolle Verwendung durch ihre Wiederverwertung. Eine besonders hohe Kostenersparnis und Unabhängigkeit in Sachen Energieversorgung biete sich laut Krings bei der Nutzung der Honeywell-Turbine in Kombination mit Solaranlagen und einem Energiespeichersystem.

Kösching plant Windräder im Nordwesten der Gemeinde

Auf einer Informationsveranstaltung über Windkraft vermittelte Alexander Hilbig vom Bundesverband für Windenergie vor über 140 Besuchern im Ambergersaal eine Vielzahl an Informationen über Windkraftanlagen. Auf Einladung der Marktgemeinde Kösching sprachen er und andere Referenten vor den Bürfern, deren Region sich derzeit besonders intensiv mit der Energiewende beschäftigt.

Windgeschwindigkeit und große Nabenhöhe gelten als Effizienzgründen

Neben der Windgeschwindigkeit sei vor allem eine große Nabenhöhe von weit mehr als 100 Metern aus Effizienzgründen von oberster Priorität, erklärte Hilbig. Dabei seien nicht nur die Landwirte sondern die gesamte Bürgerschaft in die Projekte einzubeziehen, da sonst Probleme vorprogrammiert seien. Indes plant Bürgermeister Max Schöner den Vorschlag zu einer Windmessung im Gemeinderat. Statt der einzelnen Bürger als Projektinvestor bevorzugt dieser eine genossenschaftliche Betriebsgesellschaft mit Marktbeteiligung, die die Kostenübernahme tätigen soll. Allein die Windmessung erfordere rund 80.000 bis 100.000 Euro. Dies stelle jedoch eine realistische Risikokalkulation dar, da Windrad bereits bis zu vier Millionen Euro koste. Allerdings machten die Experten deutlich, dass Kösching nicht der idealste Windstandort sei. Dabei ging Hilbig etwa auf den Schattenwurf ein. „Weil der Schatten Wohngebiete nicht beeinträchtigen soll, bleibt vom Gemeindegebiet ohnehin nur der bewaldete Nordwesten übrig“. Die Firma vento ludens hat dieses Gebiet an der Grenze zu Stammham bereits als möglichen Standort ins Auge gefasst. „An dieser Stelle auf rund 500 Meter Höhe hätten wir eine schöne Anströmung vom Donautal her“, so Markus Hölzl, Firmenvertreter von vento ludens. Dort seien bis zu Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe bis 140 Metern bei einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von fünf Meter pro Sekunde vorstellbar. Nehme man eine solche Anlage nach den ensprechenden Beschlüssen im zweiten Quartal in 2012 Angriff, so könne gegen Jahresende ein Feststellungsbeschluss erfolgen, sodass im zweiten Quartal 2013 die Genehmigung der Anlage vorliege, erklärt Hölzl. „Im dritten Quartal wäre dann Baubeginn, und bereits Ende 2013 könnte die Windkraftanlage in Betrieb gehen“ so die Einschätzung des Firmenvertreters.

Ernst Geyer empfahl das Modell der sogenannten „Bürgerwindräder“

Ernst Geyer, Vertreter des Energiebündels Eichstätt empfahl indes das Modell der sogenannten „Bürgerwindräder“. Dafür seien Investitionen von rund fünf Millionen Euro nötig. „20 bis 30 Prozent Eigenkapital sollten schon vorhanden sein.“ so Geyer. Der Vorteil eines Bürgerprojektes ist die Wertschöpfung, die am Standort erhalten bleibe. Fünf- bis siebenprozentige Renditen seien durchaus zu erwarten, die der regionalen Wirtschaft zugute kommen können.